DYNAMITE - Reviews


Various Artists: What’s This I Hear? The Sound Of Tulsa 1957-1961  ✰✰✰✰
Der „Tulsa-Sound“ sollte ab den Siebzigerjahren zu den wichtigsten Stilrichtungen in der amerikanischen Rockmusik zählen. Bevor es aber so weit war, brauchte es eine Initialzündung. Diese Initialzündung bildete – wie so oft – ein Auftritt von Elvis Presley. Nachdem dieser im April 1956 ein Konzert gespielt hatte, begann sich schnell eine Musikszene zu bilden, die sich den Klängen von R’n’R und R’n’B widmete und deren Musiker dann auch Schallplatten aufnahmen. Die vielleicht einflussreichste Person dieser Szene war JJ Cale, dessen acht frühe Aufnahmen hier das erste Mal zusammengestellt wurden. Neben diesem sind später vor allem Clyde Stacy und David Gates der Musikwelt in Erinnerung geblieben, Gates vor allem als Sänger der Band Bread. Der frühe „Tulsa-Sound“ ist weniger ein bestimmter Sound, wie es später beispielsweise der Motown-Sound werden sollte – die Aufnahmen, die von wilden R’n’R-Nummern bis hin zu Popsongs und Teenage-Lovesongs reichen, klingen dafür auch zu unterschiedlich. Aber diese Aufnahmen haben alle Charme.
Genre: Rock’n’Roll/R’n’B | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * VF | Label: Cherry Red Records
Various Artists: Hoosier Daddy: Mar-Vel And The Birth Of Indiana Rockabilly  ✰✰✰✰✰
Auf der vorliegenden 3-CD-Compilation wird Harry Glenns Mar-Vel-Label gehuldigt und akustisch erklärt, wie sich Country und Rock’n’Roll im US-Bundesstaat Indiana vereinigten, um das zu repräsentieren, was bis heute als Rockabilly bezeichnet wird. Während auf dem ersten Silberling des Sets noch vornehmlich Steel-Gitarre und Geige dominieren, geht es auf den folgenden Scheiben zunehmend rockiger zur Sache. Es wird auf spannende Weise aufgezeigt, wie diese geniale Musik entstanden ist. Bei 105 (!) Tracks fällt es schwer, Künstler hervorzuheben. Mit den Jiants, Bobby Sisco oder Pat Davis seien nur einige wenige genannt. Rock’n’Roll-Experte Dave Penny hat auch dieses Werk zusammengestellt und der Musikwelt Gutes getan. Wer dieser Veröffentlichung rein gar nichts abgewinnen kann, sollte seine Affinität zum Rock’n’Roll ärztlich untersuchen lassen. Gibt es auch als limitiertes 32-Track-LP-Set! Was gut war, wird immer gut bleiben!
Genre: Country/Rock’n’Roll/Rockabilly | Format: 3-CD/2-LP | vom: 18.03.2015
Autor: * OS | Label: Fantastic Voyage
Various Artists: Praise Poems  ✰✰✰✰✰
Für diese Compilation sollte man sich ein wenig Zeit nehmen. Es ist keine Zusammenstellung von Uptempo-Nummern, sondern eine Zusammenstellung von ruhigeren, aber intensiven, groovenden Titeln. Die Musik dieser Platte ist aber auch gar keine „Barmusik“, die das allmähliche „sich volllaufen lassen“ begleitet. Nein, es ist eine Platte, die man spielen sollte, wenn man sich ganz auf die Musik konzentrieren kann und mit seinen Gedanken langsam abdriftet und irgendwann zur Musik zurückkehrt.
Genre: Jazz/Soul/Funk | vom: 18.03.2015
Autor: * VF | Label: Tramp Records/Kudos Records
Various Artists: Thunder Road – Original Soundtrack  ✰✰✰✰✰
Robert Mitchum, eh einer der sympathischsten Hollywood-Stars, hat nebenbei ja nicht nur prima Songs geschrieben („You Deserve Each Other“) und gesungen (z. B. das sagenhafte Calypso-Album), sondern 1958 auch ein legendäres Südstaaten-B-Movie produziert, co-inszeniert und mitverfasst. Und natürlich spielt er auch selbst die Hauptrolle in „Thunder Road“, dieser wüsten Hot-Rod-Moritat vom Whiskyschmuggler-König aus Harlan County in Kentucky – aber ursprünglich hatte er für die Rolle Elvis Presley vorgesehen. Der King, selbst Mitchum-Fan (sogar seine sprichwörtliche Tolle hat er sich bei ihm abgeguckt!), hätte es gern gemacht – aber mei, der geldgierige Colonel Tom Parker halt wieder … Und das ist nur eine von ca. einer Million unbezahlbarer Anekdoten aus dem 106-seitigen (!) Booklet einer weiteren Bear-Family-Produktion von einer editorischen und auch musikalischen Qualität „that makes Yul Brynner’s hair curl“, um es in Mitchums eigenen Worten auszudrücken.
Genre: Soundtrack/Country | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * RJ | Label: Bear Family/Delta Music
Various Artists: Link Of Chain – A Songwriters Tribute To Chris Smither  ✰✰✰✰
15 Künstler – u. a. Dave Alvin, Bonnie Raitt und Tim O’Brien – interpretieren Songs des Singer/Songwriters Chris Smither. Smither, Jahrgang 1944, ist seit den Sechzigerjahren in der Folk- und Blues-Szene unterwegs. Eine sehr abwechslungsreiche CD, die nicht langweilig wird und einen schönen Überblick und Einstieg in das Schaffen von Smithers gibt. Tolle Texte, etwas zum Zuhören.
Genre: Americana/Singer Songwriter | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * TS | Label: Signature Sounds Recording Company/Cargo Records
Varmints & Vagrants: Wonderful World  ✰✰✰✰✰
Nach circa drei Jahren Wartezeit endlich ein neuer Tonträger dieser Combo. Wer seine DYNAMITE-Sammlung gut sortiert hat, kann in Ausgabe 06/2010 ein bisschen zur Band selbst nachlesen. Musikalisch gibt es wieder das bekannte, hochexplosive Gebräu aus Punk, Hillbilly, Rockabilly und anderen feinen Zutaten. Ähnliche Klänge kenne ich nur von Hank III oder Mike Ness’ Soloalben. Wobei die V & V natürlich ihren eigenen Sound haben, die Gitarre und der Kontrabass kommen knackig daher, wie bei einer Vollgas-Rockabilly-Band. Dannys Schlagwerk oder auch Mobils Gesang hört man die punkige Vergangenheit durchaus an und daraus entsteht dann etwas ganz Eigenständiges, immer energiegeladen, manchmal zornig oder zweifelnd. Die neun Stücke sind leider viel zu schnell abgespielt, aber die Scheibe kann man problemlos einige Male durchlaufen lassen. Auf „Don’t Say Nothing At All“ steuert Miss Lara Loft als „special guest“ den weiblichen Part zu einem genialen Duett bei. Mein Lieblingstitel ist immer noch „Ramblin’ Man“ (ja, der Hank-Williams-Song), den nur die Varmints & Vagrants so spielen können!
Genre: Country/Punk | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * FB | Label: Coyote Records
Red West & Hot Rhythm!: Good A$ Gold  ✰✰✰
Jorgen „Red“ Westman, ein erstaunlich produktiver schwedischer Musiker, ist seit 30 Jahren im Musikbusiness aktiv, als Frontman der legendären Surf-Punk-Band Psychotic Youth und der Rockabilly-Truppe „Buckshots“. Mit Red West & Hot Rhythm, seinem dritten Projekt, wandelt er auf den Pfaden des klassischen Rock’n’Rolls, mit gelegentlichen Ausflügen in Country- und Rhythm’n’Blues-Gefilde. Seine Psychotic-Youth-Vergangenheit klingt lediglich in zwei Titeln an: in einem gefälligen Surf-Instrumental und einer gelungenen, countrygefärbten Rock’n’Roll-Ballade, in der sich eine Twang- und eine Surf-Gitarre das Solo teilen. Der Rest der vierundzwanzig selbstgeschriebenen Titel besteht überwiegend aus glattem, leider zu oft in Pop abdriftenden Mainstream-Rock’n’Roll, wie man ihn schon oft – und auch besser – gehört hat, mit Ausnahme von zwei Nummern, auf denen er es einigermaßen krachen lässt: dem nach Jerry Lee Lewis klingenden „Born To Boogie“ und dem Rock’n’Roll-Shouter „Linda Lou“. Ein Freund, der reinkam, als ich die CD abhörte, fragte: „Baseballs“? Touché! Also: Wer Baseballs oder gut tanzbaren, melodischen Rock’n’Roll mag, dem wird diese CD gefallen. Freunde härterer Gangart sollten besser zum vorletzten Buckshots-Album „Too Hot 2 Handle“ greifen.
Genre: Rock’n’Roll | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * RT | Label: Red West Production/Border Music
Jim White Vs. The Packway Handle Band: Take It Like A Man  ✰✰✰
Michael Davis Pratt, bekannt unter dem Pseudonym Jim White, hat schon viel erlebt. Er hat sich mit zahllosen Gelegenheitsjobs durchs Leben geschlagen und kann so manche Geschichte erzählen. Das tut er auch seit geraumer Zeit, und zwar als Singer/Songwriter. Als solcher wurde er gegen Ende 2013 von der Packway Handle Band aus Athens/Georgia kontaktiert und um seine Mitarbeit bei Aufnahmen zu einem neuen Album gebeten, woraufhin Mr White kurzerhand der Band beitrat. Das dann entstandene „Take It Like A Man“ ist so abwechslungsreich und chaotisch wie Jim Whites bisheriger Werdegang und verbindet alternativen Country mit augenzwinkernd vorgetragenen, schaurig-schönen Moritaten und schlicht skurrilen Geschichten wie z. B. der von dem Mann, der nach 18 Jahren seinen Job verloren hat, weil er von einem Tornado davongetragen wurde. Wer Roald Dahl, Franz Kafka und akustischen Appalachen-Countrysound mag, findet mit „Take It Like A Man“ das vielleicht beste Album aller Zeiten, alle anderen hören vorm Kauf der Platte lieber rein. Zweimal, sicherheitshalber
Genre: Country | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * CS | Label: Yep Roc/Cargo Records
Will & The Hi Rollers: Do The Town  ✰✰
Diese CD ist wohl eine Wiederveröffentlichung. Warum sie wieder aufgelegt wurde, ist mir allerdings schleierhaft. Wie bei vielen Wild-Records-CDs ist hier im Prinzip alles übersteuert beziehungsweise verzerrt: Gitarre, Gesang, der Gesamtmix. Klar, so bekommt man einen „rauen“ Sound hin, schön ist aber was anderes. Der Sänger verfügt über keine besonders ausdrucksstarke Stimme, übertreibt das „Hicksen“ und „Quäken“ und selbst ein spanisch gesungener Titel reißt das nicht raus. Das Cover ist einfach nur grottenschlecht. Klar, es gibt weltweit einen Haufen Fans des „Wild Records Sounds“ und die werden sich auch diese CD kaufen – mir gefällt sie nicht. Der Stil geht in die End-Fünfziger-Rock’n’Roll-Richtung
Genre: Rockabilly | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * TS | Label: Wild Records
Joel Williamson: Elvis Presley – A Southern Life  ✰✰✰
Joel Williamson, Uni-Prof i. R., liefert den Gernelesern unter den Elvis-Fans mit diesem Buch keine sensationellen neuen Fakten, bringt aber seine besonderen Kenntnisse der Südstaatenkultur ein. So gibt es interessante Gedanken zu den Eltern und der Kindheit in Tupelo. Die Umstände von Vater Vernons Gefängnisaufenthalt werden mit viel Hintergrundwissen dargestellt. Aber besonders interessiert sich der Autor für die, wie er sagt, einzige dauerhafte Beziehung in Elvis’ Leben, nämlich die zu seinen weiblichen Fans. In den kreischenden Mädchen Mitte der Fünfziger findet er sogar echte politische Bedeutsamkeit. Und natürlich ist es erlaubt, sich besonders auf die sehr sexbewusste und zu infantilen Spielchen neigende Seite des Idols zu konzentrieren. Leider hat man aber am Ende den Eindruck, dass er Elvis darauf reduzieren möchte. Elvis’ religiöse Seite etwa nimmt er nicht sehr ernst, betrachtet sie eher unter dem Blickwinkel „Messias-Wahn“. Und wenn der spirituelle Freund Larry Geller ausgerechnet mit einem abkanzelnden Zitat von Elvis-Verächter Albert Goldman beschrieben wird, ist das doch schon eine absichtliche Bosheit. Im Ganzen handelt es sich um eine gut formulierte und in ihrem Standpunkt jedenfalls konsequente Lebensbeschreibung, in der auf die detaillierte Diskussion der Musik verzichtet wird.
| Format: Buch (englisch) | vom: 18.03.2015
Autor: * HAM | Label: Oxford University Press
Yellow Bird: Sing  ✰✰✰
So manches an Yellow Bird ist überraschend: Zwei Frauen und drei Männer tun sich 2011 mitten in Deutschlands Hauptstadt zusammen, um waschechten Bluegrass und amerikanischen Folk zu spielen. Sie haben ihre Roots in Ost-Berlin oder Vermont, klingen aber wie eine Truppe aus den Apalachen vor 100 Jahren. Den Bass ersetzen sie gerne durch eine Klarinette und für die beiden Stimmen von Manon Kahle und Lucia Cadotsch, die so schön harmonieren wie einst bei den Andrew Sisters, reicht ihnen auch mal nur ein Mikrofon. Das Debütalbum des wild gemischten Quintettes ist so radikal vintage wie ihr Musikverständnis. Egal ob Traditional oder Eigenkomposition, alles führt zurück in die Frühzeit der populären Musik, ohne dabei an Glaubwürdigkeit oder Authentizität zu verlieren, fällt dabei aber manchmal auch ein wenig zu althergebracht aus.
Genre: Folk | Format: CD | vom: 18.03.2015
Autor: * lafi | Label: enja & yellowbird records/Soulfood
Stand:25 September 2017 13:40:28/extras/reviews/seite_19/ Warning: chmod(): Operation not permitted in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Magazin_Bootstrap/files/templates/index_template.php on line 81