DYNAMITE - Reviews


Bob Marley & The Wailers: Easy Skanking In Boston ‘78  ✰✰✰
Bob Marley wäre dieses Jahr (erst) 70 Jahre alt geworden, also wird der Musikmarkt nun mit „neuen“ Veröffentlichungen geflutet. Den Anfang macht diese Konzertaufnahme von 1978, die die offensichtliche Frage provoziert: Brauchen wir wirklich ein weiteres Live-Album von Bob Marley? Für „Easy Skanking“ spricht freilich einiges: Da das Material aus dem Privatarchiv der Marleys stammt und entsprechend restauriert wurde, ist die Soundqualität ist sehr gut, die Band klingt gut aufgelegt und druckvoll, denn sie wird hier im Frühsommer 1978 zu einer Phase festgehalten, als sie der vielleicht aufregendste und beste Live-Act der Zeit war. Obwohl es der Kaya-Tour entstammt, dominieren politisch-militante Tracks wie „Slave Driver“, „Them Belly Full“ oder „War/No More Trouble“ das Set. Aus dem damals aktuellen Album stammt nur hier der titelgebende Song in einer Version, die aber auch eher stramm marschiert als leicht skankt. Das Ganze ist zudem hübsch aufgemacht mit einer Tourheft-Replika als Booklet. Eher überflüssig ist die DVD/Blu-Ray, denn das Filmmaterial stammt von einem Zuschauer, der vom Bühnenrand aus mit einer (!) Handkamera in immerhin guter Bildqualität das Konzert mitgeschnitten hat. Weil er zwischendurch immer wieder die Bänder wechseln musste, hat man recht aufwändig versucht, die Lücken mit Animationen zu überbrücken. Es gibt allerdings von Marley genügend professionelle Videomitschnitte, sodass man sich getrost mit der CD begnügen kann.
Genre: Reggae | Format: CD/DVD & CD/Blu-Ray & CD | vom: 10.06.2015
Autor: * POTB | Label: TuffGong/Island/Universal
The Dualers: Back To Paradise  ✰✰✰✰✰
Angefangen haben die Brüder Tyber und Simon Cranstoun (genau, der Si Cranstoun) als Straßenmusiker auf den Straßen Londons und Canterburys, nachdem sie bereits von Kindesbeinen an vom eigenen Vater Bill und seinem Savoy Soundsystem mit dem jamaikanischen Virus infiziert worden waren. Aus dem erfolgreichen Duo wuchs nach und nach eine vollständige Band, die inzwischen mehr als zehn Alben veröffentlicht hat und drei Top 40 Hits in die englischen Single-Charts brachte. Si stieg zwar 2010 aus, um seine Solokarriere voranzubringen, doch Tyber kann auch heute noch häufig an einer Straßenecke im Großraum London angetroffen werden, wo er unschuldige Passanten mit seiner Liebe zum Ska ansteckt. Das gerade in England erschienene neue Album ist das bislang reifste Werk der Band und zeigt eindrucksvoll, warum die Dualers so groß geworden sind. Mitreißend von der ersten bis zur 65. Minute, geht die Reise zwar zurück nach Kingston, Jamaika, circa 1962, doch gleichzeitig klingen alle 15 Songs, übrigens durchweg Eigenkompositionen, komplett frisch und dynamisch.
Genre: Ska | Format: CD/Download | vom: 10.06.2015
Autor: * POTB | Label: Code 7/Sunbeat Records
The Lions: Soul Riot  ✰✰✰✰✰
Die mächtigen Lions sind ein Kollektiv, bestehend aus einigen der besten Musiker der reichhaltigen Reggae-, Ska- und Soulszene, die Los Angeles zu bieten hat. Unter dem Motto „Soul Riot“ liefert die Truppe, deren Mitglieder zum Beispiel bei und für Hepcat, De La Soul, Breakestra oder Macy Gray gespielt haben, ein weiteres Meisterwerk an den Schnittstellen von dubgetränktem Reggae, Soul, Funk und Ska ab. Im Intro wird vollmundig „the absolute best in dusty reggae soul“ angekündigt und genau das bekommen wir serviert. Neben den drei (!) festen Frontmännern Alex Desért, Malik Moore und Black Shakespeare (Cousin von Robbie) geben sich als weitere Gäste unter anderen Angelo Moore (Fishbone), Myron Glasper (Myron & E), Junor Francis und Jesse Wagner (Aggrolites) die Mikros in die Hand. Auch dadurch ist das Album so abwechslungsreich und kurzweilig. Spätestens bei „The Magnificent Dance“ (im Original von The Clash) gibt es kein Halten mehr und der „Soul Riot“ bricht auf dem Dancefloor – oder eben dem heimischen Wohnzimmerboden – aus. Nach 45 viel zu kurzen Minuten kann es nur eines heißen: „Rewind!“. Was für coole Säue!
Genre: Reggae/Soul/Ska | Format: CD/2-LP | vom: 10.06.2015
Autor: * POTB | Label: Stones Throw Records/Groove Attack
Django 3000: Bonaparty  ✰✰✰
Dieser wilde Haufen aus dem bayrischen Chiemgau in eine Genre-Schublade zu stecken, ist kaum möglich. Sie selbst bezeichnen „es“ als Gipsy-Rock und passender kann man es wohl nicht beschreiben. Ein herrlich klappernder Kontrabass, eine wilde Fidel, gepaart mit Gitarre und Trommel – fertig ist ein Sound, der in die Puschen geht. Einflüsse aus Ska und Blues bis hin zu Folklore machen diese Scheibe zu einem sehr ungewöhnlichen Hörgenuss. Natürlich singen die Jungs auf Bayrisch – woas des oalles etwas schwurig macht. Auch wenn man die Texte alle nachlesen kann, verstehen tun das sicher nur die Eingeweihten (und eben die Bayern). Trotzdem, der Spaß beim Hören ist immens. Durchweg tanzbar, macht diese Mucke echt gute Laune – und das nicht nur „uff de Wies’n“. In heimischen Bayern sind die Jungs schon zu einem Geheimtipp avanciert, nun springen sie über die Provinzgrenzen und wollen auch den Rest erobern. Mit „Bonaparty“ sind sie auf einem guten Weg.
Genre: Rock/Andere | Format: CD | vom: 10.06.2015
Autor: * MN | Label: RCA/Sony Music
The Monkey Riot Gang: One Beer, Please!  ✰✰✰✰
Im englischsprachigen Teil der Welt gibt es eine Redewendung: „One monkey don’t stop no show“ – im vorliegenden Fall könnte man das erweitern, z. B. so: „but three of them will make you go, go, go!“; oder so ähnlich. Fakt ist, dass dieses Debüt eine wunderbare Bandbreite an Stilrichtungen und Stimmungen abdeckt. Harter Rock’n’Roll, aufgemischt mit Tom-Waits-artigen Sounds. Hört euch zum Beispiel „One Beer“ an. Dann gibt es noch drei Stücke mit „special guest“ Eve als Sängerin, besonders „Queen For A Day“ mit fast Pogues-ähnlichem Sound ist gelungen. Der vorletzte Titel, „Ridin’ With The Devil“, sei als Anspieltipp der insgesamt 13 Songs genannt. Vollgas-Rock’n’Roll. Well done!
Genre: Rockabilly/Rock’n’Roll | Format: CD | vom: 10.06.2015
Autor: * FB | Label: Eigenproduktion
Jill Barber: Fool’s Gold  ✰✰✰
Als ich diese Scheibe das erste Mal gehört habe, dachte ich „Wow! Aber irgendetwas ist Merkwürdig“. Setzt man sich mit den zehn selbstkomponierten Songs der Kanadierin genauer auseinander, verblasst der Charme ihrer beinahe kindlich zarten Stimme. Übrig bleiben die wohl platzierten und ausgeklügelten Arrangements der hervorragenden Band, Streicher und Backing Vocals. Beim vierten Song des Albums wird deutlicher, was mich ursprünglich störte: Die Melodie von Barbers Song „The Careless One“ erinnert entfernt an den Platters-Hit „Great Pretender“ von 1956, ist aber zeitgemäßer Jazz-Pop. Im direkten Vergleich zum Fifties-Klassiker singt Barber allerdings beinahe emotionslos dahin. Trotz der geschmeidigen Schmuselieder schafft Barber es nicht, vergleichbaren Acts die Stirn zu bieten. Dazu ist das Album schlicht zu unauffällig. Die musikalischen Arrangements stammen von den versierten Musikern und Produzenten Drew Jurecka und Les Cooper, die teilweise die Songs mitschrieben, sie mit einspielten und an der Tontechnik agierten. Da sich die Texte ausschließlich den zwischenmenschlichen Beziehungen widmen, ist dies Blümchenalbum wohl ausschließlich für hoffnungslose Romantiker geeignet.
Genre: Jazz/Pop/Soul | Format: CD | vom: 10.06.2015
Autor: * HoH | Label: Outside Rec/Yep Roc/Cargo Records
Erja Lyytinen: The Sky Is Crying  ✰✰✰
„The Sky is Crying“ heißt das neue Album von Erja Lyytinen, die nicht ohne Grund „Finnlands Königin der Slide-Gitarre“ genannt wird. Als musikalische Hommage an die Blues-Legende Elmore James präsentiert sie mit diesem Album Cover-Songs der Ikone aus Mississippi. Den schwierigen Grat zwischen Respekt für das Original und kreativer Eigenständigkeit hat sie dabei scheinbar spielend überwunden. Die Riffs perlen gekonnt von den Saiten und Erjas Stimme glänzt sowieso. Als Highlight gibt es mit „Dust My Broom“ einen über neunminütigen Live-Song auf dem Album. Mit der Lässigkeit einer Jam-Session und einer über die Jahre angeeigneten Virtuosität schließt der Track das Album perfekt ab. Für Blues-Liebhaber ein Muss!
Genre: Blues | Format: CD | vom: 10.06.2015
Autor: * JeN | Label: Tuohi Records/Rough Trade
The Smith Street Band: Throw Me In The River  ✰✰✰
Peng! Mit ihrem dritten Tonträger veröffentlicht die Smith Street Band ein Album, das man nicht einfach ignorieren kann. Ihren Tagen als zornige Punks sind sie mit „Throw Me In The River“ endgültig entwachsen und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch menschlich gereift. Während einer ausgiebigen Tour durch Australien, Kanada und die USA hat die Band aus Melbourne ihr aktuelles Album geschrieben und hierbei Eindrücke, Erfahrungen und unterwegs aufgeschnappte Geschichten in Songs verpackt. Irgendwo zwischen Punk, Indie und Folk hat sich der Fünfer aus dem Süden Australiens eine Nische aufgetan, von der aus er uns mit mal rotzigen, mal lustigen und melancholischen Betrachtungen der Welt und der sie bevölkernden Menschen beschenkt. So kommen Songs wie „The Arrogance Of The Drunken Pedestrian“, „Get High, See No More“ oder der Titelsong „Throw Me In The River“ zustande, die so herrlich frisch und ungekünstelt daherkommen, dass selbst ich als erklärter Punk- und Indiemuffel Spaß daran habe. Reinhören lohnt sich.
Genre: Punk/Indie/Andere | Format: CD | vom: 10.06.2015
Autor: * CS | Label: Uncle M Music/Cargo Records
Son Little: Things I Forgot  ✰✰✰
Bislang war Son Little vor allem durch seine Arbeiten mit der Reggaetruppe The Roots und dem Hip-Hop-DJ RJD2 bekannt. Doch statt Hip-Hop oder Reggae präsentiert Son Little hier mit Ausnahme des Auftaktsongs „The River“ eine waschechte Soulplatte. Was leider etwas schade ist, denn „The River“ gefällt mir hier am besten. Hier kreuzt Son Little den Soul mit Rock’n’Roll und heraus kommt ein ungeheuer tanzbarer Song, der einfach gute Laune macht. Die übrigen vier Songs plus den Remix von RJD2 sind auch nicht schlecht. Das sind gute Soulsongs irgendwo zwischen Marvin Gaye und Curtis Mayfield und Son Little hat eine beeindruckende Stimme, aber an die Klasse von „The River“ kommen sie nicht heran.
Genre: Soul | Format: CD | vom: 10.06.2015
Autor: * FS | Label: Anti/Indigo
The Bunny Gang: Thrive  ✰✰✰
Bei der Bunny Gang handelt es sich um ein Nebenprokjekt von Nathen Maxwell von Flogging Molly. Das Album ist ein Stilmix aus Rock, Alternative, Folk und Reggae – und irgendwie ist das auch das Problem. Das Ganze klingt insgesamt zu unverbindlich und zu sehr nach gehobener Radiomusik. Stört bei einer Autofahrt nicht, ist nett, brauchen aber wohl nur eingefleischte Fans.
Genre: Reggae/Rock/Punk | Format: CD/LP/Download | vom: 10.06.2015
Autor: * VF | Label: Hardline Entertainment/Membran/Sony
Vanderlinde: Southbound Train  ✰
„Vanderlindes Musik lässt sich am besten als eine pure offene Soundlandschaft beschreiben, zwischen Rock und Americana von Crowded House und Jason Mraz bis Beatles und Eagles“, schreibt die Plattenfirma über diesen Tonträger. Die Musiker, deren Platten gewöhnlich in diesem Magazin besprochen werden, würden angesichts einer solchen Werbung vermutlich augenblicklich eine Strafanzeige wegen Beleidigung stellen – welcher Musiker will schon mit den Eagles verglichen werden? Aber die Herren von Vanderlinde fühlen sich vermutlich geschmeichelt. Ach ja, und die Platte klingt wirklich wie die genannten Bands – nur nicht nach den Beatles. Grauenhaft.
Genre: Andere/Country/Rock | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * VF | Label: Snakebite Records/Bertus
The Budos Band: Burnt Offering  ✰✰✰✰
Ein sehr interessantes Instrumental-Album auf dem schon jetzt legendären Daptone-Label. Neben Funk, Jazz, Afro-Beat und Soul kann man deutliche Anleihen an Hardrockbands wie Black Sabbath heraushören. Wer so etwas liest, der mag denken, dass die Budos Band wie eine dieser Rockbands klingt, die auch mal versuchen „funky“ zu sein. Dies ist jedoch keineswegs der Fall, vielmehr klingt der Funk der Band etwas bedrohlich und psychedelisch. Eine sehr interessante Interpretation von Soul-, Funk- und Jazzmusik, auf höchstem Niveau eingespielt und produziert.
Genre: Soul/Funk/Rock | Format: CD/LP/Download | vom: 09.06.2015
Autor: * VF | Label: Daptone Records
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