DYNAMITE - Reviews


Monkeeman: Lo-Fi Against Low Lifes  ✰✰✰
Nach drei Alben und vier Jahren Pause kommt Monkeeman Ralf Lübke mit seinem neuem Tonträger aus dem Quark. Erneut ganz offensichtlich in britischer Tradition bewegen Mr Lübke und seine drei Mitstreiter aus dem nordirischen Belfast. Punk- und Indiesound der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre und Bands wie The Clash, The Jam, Stiff Little Fingers, aber auch zeitgenössischen Künstlern wie Billy Bragg und Paul Weller werden hier Ehre und Tribut gezollt. Trotzdem klingt „Lo-Fi Against Low Lifes“ nicht wie ein verschüttet geglaubtes Album alter Tage, sondern frisch und energetisch. Das liegt neben dem Input der großartigen Bandkollegen des Monkeeman auch am Aufnahmeverfahren, denn die zwölf Songs wurden großteils live eingespielt und klingen so herrlich direkt, gitarrenlastig, angenehm melodiös und befreit von jeglichem Firlefanz. Weniger geht nicht, mehr muss nicht – so macht man Musik. Feine Sache.
Genre: Mod/Punk/Andere | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * CS | Label: Rookie Records/Cargo Records
Tom Gaebel: So Good To Be Me  ✰✰
Der 5-fache Jazz-Award-Gewinner aus Gelsenkirchen hat sein sechstes Studioalbum mit (hoffentlich) augenzwinkerndem Titel veröffentlicht. „Dr. Swing“ wird allerorts für seine Entertainmentqualitäten gelobt und für seine „unnachahmliche Stimme“. Und ja, sie ist sauber und glockenrein, vielleicht sogar rat-pack-tauglich, aber ansonsten jetzt nichts großartig Besonderes in meinen Ohren. Hängen bleibt da nichts. Bei der musikalischen Begleitung trifft Big-Band-Sound auf Easy-Listening-Tunes, Überraschungsmomente auch hier Fehlanzeige. Was jetzt nicht per se schlecht sein muss, es gefällt mir nur einfach überhaupt nicht. Denn ehrlich gesagt frage ich mich, was Tom Gaebel im DYNAMITE zu suchen hat: Der Mann geht mit dem „ZDF Fernsehgarten on tour“! Diese Rezi soll keinen Leserbrief-Charakter annehmen, aber wann war der Moment, ab dem weichgespülte Sinatra-Abklatsche ins Programm aufgenommen wurden?! Zwei Punkte gibt’s, weil Monsieur Gaebel sein Metier der seichten Unterhaltungsmusik definitiv beherrscht, aber ... nein. Dieser Swing ist mir persönlich definitiv zu easy.
Genre: Swing | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * SWI | Label: Tomofon Records
Various Artists: She Did It! The Songs Of Jackie DeShannon Volume 2  ✰✰
Etwa sechs Jahre nach dem ersten Teil folgt mit „She Did It!“ eine zweite Kompilation mit Stücken, die von Jackie DeShannon geschrieben oder mitgeschrieben wurden. Die CD umfasst 25 Songs – plus als Bonus ein bisher noch nicht veröffentlichtes Demo der US-Amerikanerin, die ursprünglich von mehr oder weniger bekannten Größen in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern aufgenommen wurden. Der Silberling kommt mit einem attraktiven und detaillierten Booklet und ist sicherlich interessant, einmal durchgehört und sich bewusst zu werden, wie umfangreich und produktiv ihre Karriere war. Aber mit einem Großteil der Stücke kann ich leider wenig anfangen und sie haben unter dem Strich auch relativ wenig mit Rock’n’Roll zu tun. Fans von Jackie DeShannon und auf Songwriter spezialisierte Sammler sollten sich aber von meiner Meinung nicht abschrecken lassen und sich selbst ein Bild machen.
Genre: Singer, Songwriter/Andere | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * WH | Label: Ace Records
Various Artists: Soul City Philadelphia  ✰✰✰
Augen auf beim Philly-Kauf! Wer unbekannte Exemplare der bekanntlich süßesten aller Soul-Spielarten oder gar eine archäologische Grabung nach dem „Weg zu Philly“ vermutet, wird enttäuscht – für solche Zwecke greife man zu den mustergültigen „Philadelphia Roots“-Samplern auf Soul Jazz. Hier dagegen betritt man nicht ein Museum, sondern einen Trödelladen – aber einen guten: Was es da an Doo-Wop, frühem R’n’B und Modetanz-Larifari zu erwühlen gibt! Novelty-Onkels wie Chubby Checker und Screamin’ Jay Hawkins, die Falsett-Kapriolen des Donnie Elbert, enorm lässigen Gospel-R’n’R von Solomon Burke, die späteres Philly-Streicherschwelgen andeutenden Klassik-Floater der Gainors, berückende Balladen von der entzückenden Yvonne Baker Mills und natürlich diese unglaublichen Larks: Erst schon mit dem seinem Titel vollständig gerecht werdenden Noir-Doo-Wop-Drama „It’s Unbelieveable“, dann noch übertreffend mit dem ebenfalls seinem Titel vollständig gerecht werdenden eventuell besten Twist aller Zeiten „I Can’t Believe It“! Und das Schmankerl für den Philly-Forscher: Neben zwei frühen Balladen von Bunny Sigler gleich fünf Nummern der Blue Notes, genau, später hießen sie Harold Melvin & the Blue Notes – und lustigerweise singt hier jener Harold Melvin offenbar anders als auf den späteren Hits öfter selber; wo genau, darüber gibt leider zumindest meine Promo-CD in ihrer ärmlichen Nicht-Ausstattung keine Auskunft. Punktabzug!
Genre: Soul | Format: 2-CD | vom: 09.06.2015
Autor: * RJ | Label: Fantastic Voyage
Roughneck Riot: Out Of Anger  ✰✰✰
Nachdem der Laser den neuen Datenträger der US-Folk-Punks in hörbare Klänge umgewandelt hat, könnte man meinen, Social Distortion hätten sich Mandoline und Banjo umgehängt, um verstärkt Folk-Elemente ins Repertoire aufzunehmen. Aber Vergleiche hinken oft und eine Social-D-Kopie sind Roughneck Riot mitnichten. Vielleicht lag es an dem großen Pre-Order-Andrang, dass die betroffene Internetseite kurz vor der Veröffentlichung zusammenbrach und man sich gezwungen sah, die Songs für kurze Zeit zum kostenlosen Hören bereitzustellen. Das sollte die Zielgruppe jedoch nicht davon abhalten, sich die physische Musikportion beim Plattenhändler abzuholen. Wer handwerklich einwandfreien Folk-Punkrock mag, der auch noch Texte mit Tiefgang bereithält, ist hier genau richtig! Das gut gemachte Digipak mit beiliegenden Texten im Mini-Poster-Format soll nicht unerwähnt bleiben!
Genre: Punk/Folk | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * OS | Label: TNS Records
Various Artists: Music City Vocal Groups  ✰✰✰✰
Das hier ist das Nachfolgerelease der Balladen-Doppel-CD, die kürzlich erschien. Hier gibt’s jetzt Up-Tempo-Rocker aus dem Katalog von Music City, gefeatured sind hauptsächlich bisher unveröffentlichte Songs aus den Fünfzigern. Mit den Songs sollte Tanzflächenbetrieb garantiert sein und neben vier A-Capella-Songs gibt’s noch weitere Up-Tempo-Tunes zu entdecken. Keiner der Songs war in den Charts, aber das sagt ja glücklicherweise nichts über die Qualität aus. Hier kriegt ihr ein Eins-a-Album von unbekannteren Bands für euer Geld und erkauft euch 74 Minuten und 4 Sekunden reinsten Doo-Wop-Himmels.
Genre: Doo Wop | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * MA | Label: Ace Records
Johnny Winter: Step Back  ✰✰✰✰
Die Tourneen der späten Jahre wären schon für einen jungen, gesunden Musiker eine extreme Belastung gewesen, für Johnny Winter waren sie letztendlich tödlich. Mehrere Monate am Stück reiste der zuletzt 70-Jährige jedes Jahr zwischen Europa und Amerika hin und her. Beinahe blind tastete er sich auf die Bühnen, manchmal gestützt von seinen Bandkollegen, wenn die Beine den ausgezehrten Körper nicht mehr trugen. Es war absehbar und in Zürich, in einem Hotelzimmer, war es am 16. Juli 2014 schließlich so weit. 18 Studioalben brachte er zu Lebzeiten heraus, das 19. erscheint nun posthum und es ist wie eine große Verbeugung illustrer Musikergrößen vor einem Helden. Eric Clapton, Joe Bonamassa, Dr. John, Ben Harper oder Brian Setzer wirken als Gäste auf „Step Back“ mit. Manche der 13 Songs sind sicherlich verzichtbar, wie die mit viel Firlefanz ausgestattete Version von „Unchain My Heart“. Der schönste Moment ist aber das einzige solo eingespielte Stück, Son Houses „Death Letter“. Auch wenn es um den Tod der Geliebten geht, so wie Winter zur nicht immer wirklich sauber gespielten Steel-Gitarre Zeilen krächzt wie „Looked like ten thousand people standing on the burial ground“ nimmt er seine eigene finale Nachricht scheinbar wissentlich vorweg.
Genre: Blues | Format: CD/LP | vom: 09.06.2015
Autor: * Lafi | Label: Megaforce/Membran/Sony
King D and The Royals of Rhythm: s/t  ✰✰✰✰
Den Opener dieser EP kennt man vom „Yeehaaw! Songbook“-CD-Sampler. Eine Nummer, die ein wenig an den glattgebügelten Highschool-Rock’n’Roll der zahllosen Pat-Boone-Epigonen der späten Fünfziger erinnert. Aber der zweite Song der A-Seite zeigt, dass King D auch anders kann. Der Song rockt und rollt, dass der Fuß zuckt und das Knie wippt und man am liebsten losboppen möchte. Auf Seite 2 der EP findet sich mit „Smokin’ & Pickin’“ ein genialer Country-Blues mit Fiddle und Steel Guitar als Verstärkung und auch der letzte Song ist nicht von schlechten Eltern. Diese auf 500 Stück limitierte EP ist ein Kleinod, das sicher einen festen Platz in so manchem DJ-Koffer finden wird.
Genre: Rockabilly | Format: EP | vom: 09.06.2015
Autor: * KTs | Label: Yeehaaw! Records
Johnny Horsepower: Cash Cover With Attitude  ✰✰✰✰✰
„Noch eine Johnny-Cash-Coverband“, mag mancher jetzt denken. Braucht man die Songs des Meisters wirklich noch einmal neu eingespielt? Gönnen wir der Schallplatte, die zehn Stücke der Anfang des Jahres erschienenen CD der drei Dänen enthält, ein kritisches Ohr. Als Erstes fällt auf, dass die Instrumente und der Sound extrem authentisch sind. So authentisch, dass die Stimme bei den ersten ein, zwei Liedern falsch wirkt. Hat man sich aber erst mal drauf eingelassen, wird man hier in bester „Cash and the Tennessee Two“-Manier unterhalten. Und von Song zu Song wagt sich das Trio einen kleinen Schritt weiter Richtung Eigenständigkeit. Wenn man irgendwann denkt, man kann nicht mehr überrascht werden, schaffen sie es doch noch. Und ich gestehe: Ihr „Jackson“ gefällt mir bald besser als das von Johnny und June. Also – entweder das Original oder Johnny Horsepower!
Genre: Rockabilly/Country | Format: LP (10“) | vom: 09.06.2015
Autor: * KTs | Label: Rydell’s Records
Rhythm Sophie: Born To Live The Blues  ✰✰✰✰✰
Nachdem Rydell’s der kleinen Ungarin bereits auf der vierten Single seiner „Queens Of Rockabilly“-Reihe eine Plattform geboten hat, darf sich die in Deutschland lebende Rhythm’n’Blues-Göre und -Röhre auf Albumformat austoben. Unterstützt von einer überaus guten Backing Band bekommen wir hier 14 Songs präsentiert, die in bester Tradition der Rockabilly-Queens der Fünfzigerjahre stehen. Aber auch wenn man sich vor allem an Brenda Lee oder Janis Martin erinnert fühlt, Rhythm Sophie überrascht auch mit spielerischen Coverversionen von der breiten Masse vielleicht nicht so bekannten R’n’B-Stars wie LaVern Baker. Das Album rockt und rollt, das Album hat Country und Swing, das Album ist auf alle Fälle den Kauf wert.
Genre: Rockabilly/Western Swing/Blues | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * KTs | Label: Rydell’s Records
Digger Barnes: Frame By Frame  ✰✰✰✰
Digger Barnes war langjähriger Bassist von Chuck Ragan und daher hat er den Geist des Americana voll inhaliert. Inzwischen ist er selbst und sozusagen solo auf dem „Lost Highway“ unterwegs, schreibt und singt Lieder über staubige Straßen, verrauchte Bars und verrufene Spelunken. Das nunmehr vorliegende dritte Album kommt mit zehn Songs des Weges, alle in absolut intimer Atmosphäre und extremer Minimalbesetzung eingespielt: Neben Barnes’ sonor-knurriger Stimme kommen Kontrabass, Besenschlagwerk und Akustikgitarre zum Einsatz, sanft ergänzt durch das beststandardisierte Honky-Tonk-Instrumentarium, Pedal-Steel, Geige, Orgel bzw. ein paar Klaviertasten, Banjo oder Vibraphone. Wenn das mal keinen echten melancholischen Unterton provoziert, was dann? Das Werk wirkt genau wie die beiden Vorgänger wie aus einem Guss und genau deswegen reicht ein Glas beileibe nicht, um die zehn Nummern würdig zu feiern. Und auch ein paar schmutzige Gassenhauer zum dezenten Mitschunkeln gibt es: Songs wie „Keep On Rollin’“ oder „What Will We Do“ sorgen dafür, dass die Trauer mit Power vermischt wird.
Genre: Americana | Format: CD | vom: 09.06.2015
Autor: * ET | Label: Hometown Caravan/Barnes & Quincy/Cargo Records
Joanne Shaw Taylor: The Dirty Truth  ✰✰✰
Das neue, inzwischen vierte Album der britischen Blues-Rock-Gitarristin Joanne Shaw Tylor ein grundsolides, recht erdiges, klassisches Album geworden ist – nicht mehr, aber sicher auch nicht weniger. Die Dame hat sich wieder mit ihrem ersten Produzenten zusammengetan, mit Jim Gaines, der 2008 das Debüt als musikalischer Geburtshelfer begleitet hat, und beide haben sich aus atmosphärischen Gründen nach Memphis begeben, um den Vibe der Stadt auf Band zu bannen, . Wenn die Info einen Kollegen des Sunday Telegraph zitiert, der der Dame eine veritable Nähe zu den Großen des Mississippi-Delta-Blues bescheinigt, dann mag das stimmen in Bezug auf das Können der Künstlerin, aber emotional, sorry, kann sie den Vorbildern meiner Meinung nach nicht das (Fluss-)Wasser reichen: Zu glatt und zu sauber, zu brav, eben nicht wirklich „dirty“ klingt die Produktion. Und auch die Cover-Artwork-Gestaltung wirkt, nochmals sorry, eher billig.
Genre: Blues/Rock | Format: CD/LP | vom: 09.06.2015
Autor: * ET | Label: Axehouse Music/Rough Trade
Stand:19 November 2017 07:35:26/extras/reviews/seite_3/ Warning: chmod(): Operation not permitted in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Magazin_Bootstrap/files/templates/index_template.php on line 81