| Redcat 7: Burlesque, Fashion & Rock’n’Roll |
Gemäß ihrem Motto „Dem Alltag ein Schleifchen verpassen“ rockt Sammy von Redcat 7 das triste Modeeinerlei! Sie entwirft die ausgefallensten Outfits, die unsere Rockabella-Herzen höher schlagen lassen. Geschickt weiß sie Burlesque, Rock’n’Roll sowie den Glamour der 30er, 40er und 50er Jahre in ihren Kreationen und Accessoires zu vereinen und hebt so das selbstbewusste Weibliche mit Pep und Sexappeal hervor.
DYNAMITE!: Hi Sammy, die eingefleischten Walldorf-Weekender-Besucher durften bei den „Pin Up Contest“-Finalistinnen deine bezaubernden Hutkreationen bewundern. Wie kamst du auf die ausgefallene Idee, Burlesque-Mode zu entwerfen?
SAMMY: Ich lebe schon seit Jahrzehnten mit dem Rock’n’Roll, es ist mein Stil, meine Leidenschaft und mein Herzrhythmus. Und beruflich bin ich Modedesignerin. Schon seit meinem Studium fand ich es zu langweilig, Einheitskleidung zu entwerfen, die zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit tragbar, aber dafür gefällig und langweilig ist. Ich entwerfe lieber das, was mir gefällt. So kam es, dass ich meinen Beruf mit meinen privaten Interessen vereinte und Anfang 2005 mein eigenes Label Redcat 7 gründete. Als dann Burlesque auch hier in Deutschland ein Thema wurde, war ich sofort Feuer und Flamme; es war für mich eine Selbstverständlichkeit diesen Trend mit meinem Label zu unterstützen und weiter zu definieren.

Einmal vom Virus infiziert …
DYNAMITE!: Ich habe gelesen, dass du einige Zeit in New York verbracht hast. Inwiefern hat dich dieser Aufenthalt inspiriert bzw. beeinflusst?
SAMMY: 2004 war für mich ein Jahr des Umbruchs. Ich arbeitete bis dahin viele Jahre als Projektleiterin in der Multimedia-Branche. Dort konnte ich meine künstlerische Seite mit meinem Interesse an Technik vereinen. Doch das befriedigte mich irgendwann nicht mehr. So schmiss ich alles hin und machte mich für eine längere Zeit nach New York auf, um über mein Leben nachzudenken. Die Stadt ist ein kreativer Pool, und ich lernte viele interessante Künstler kennen. In Amerika gibt es schon lange die Neo-Burlesque-Szene, und als ich das erste Mal damit in Berührung kam, hat sie mich wie ein Virus infiziert. So fing ich wieder an zu zeichnen sowie zu entwerfen, und machte mich als Illustratorin und Modedesignerin selbstständig.
DYNAMITE!: Bei MySpace zeigst du einen kleinen Einblick in deinen Studio-Showroom-Store in Berlin. Was liebst du am meisten an deinem Refugium?
SAMMY: Dass es mein eigenes kleines Reich ist! Ich kann dort ungestört arbeiten, meine Modelle präsentieren, mit Kundinnen neue Konzepte entwickeln, mit Freunden einen Kaffee trinken und ich kann meine Outfits und Accessoires zum Verkauf anbieten. Deshalb die Bezeichnungen „Studio“ für das Atelier, „Showroom“ für die Präsentation und „Store“ für den Verkauf. Ich liebe die Regale in meinem Atelier, die sich bis zur Decke stapeln und mit Stoffen und anderen Materialien gefüllt sind. Dort stehen viele kleine Boxen, in denen ich alle Kleinteile wie Pailletten, Satinbänder, Federn usw. aufbewahre. Ich brauche und liebe diese Atmosphäre, um in Ruhe kreativ arbeiten zu können. Zu meinem Showroom gehört ein Laufsteg, und da sich die Umkleidekabine im hinteren Teil der Räume befindet, können sich so meine Kundinnen ihren Begleitern in einem neuen Outfit präsentieren und sich einmal wie ein Star auf der Bühne fühlen. In meinem Laden spiegelt sich meine weiblich-verspielte und meine männlich-wilde Seite wider. Eine goldene Tapete steht alten Blechschildern gegenüber, Cocktailsessel mit Fransen stehen neben alten Öldosen. Ein spannender Gegensatz, der meinen privaten Geschmack und Interessen zeigt: Burlesque, Fashion und Hot Rod. Mein Refugium erinnert mich an meinen kleinen Kaufladen, den ich als Kind so sehr liebte. Dieser steht im Übrigen in meinem Schaufenster und präsentiert jetzt Pasties.
Paradies aus Farben und Formen
DYNAMITE!: Erzähl uns doch ein wenig mehr über deine sogenannte Burlesque-wear.
SAMMY: Meine Burlesque-wear-Linie heißt Candy Decadence. Man kann sich dabei ein Paradies aus Farben und Formen vorstellen, wobei ich die Femme fatale des Burlesque, die stilsichere Mode der Vorkriegsjahre und das Pin-up-Girl der 50er Jahre neu definiere. Burlesque bedeutet für mich Glamour, Erotik, Selbstbewusstsein, Comedy, Ausdruck, Selbstdarstellung und natürlich noch mal Glamour! Mein Programm besteht aus den verschiedensten Arten von Korsetts, Röcken, Tornüren, Blusen und Jacken, die – je nach Kombination – die Tage verschönern oder die Nächte inspirieren. Ich verwende dafür gerne elegante und schmeichelnde Stoffe wie transparenten Organza oder glänzenden Satin. Der Glamour entsteht durch das Glitzern von Strasssteinen, Pailletten und Glasperlen. Schleifen sind bei Redcat 7 ein großes Thema. Mein Motto: „Dem Alltag ein Schleifchen verpassen.“ Deshalb sind ein Markenzeichen große Schleifen am Rücken sowie Tornüren mit Federn und Tüll, welche die Hüften oder hintere Partie der Frau betonen und somit die Sanduhrform des Körpers verstärkt. Hüte sind für mich ein ultimatives Accessoire, es macht unheimlich Spaß sie zu nähen und zu tragen. Und natürlich gibt es Pasties in allen Farben und Formen, die bei einer Burlesque-wear-Linie nicht fehlen dürfen.
DYNAMITE!: Erfüllst du auch Kundenwünsche?
SAMMY: Selbstverständlich! Ich bespreche mit meinen Kundinnen für welchen Anlass ein komplettes Outfit oder Einzelteil angefertigt werden soll, welche Form zum Körper der Frau passt und welche Farben ihr am besten stehen. Da ich alles hier in meinem Atelier in Berlin anfertige, gibt es fast keine Grenzen. Ich möchte, dass sich alle Ladys ein bisschen mehr trauen. Ich meine damit, dass sich nicht nur die 90-60-90-Frauen feminin verspielt kleiden sollten, sondern einfach alle, die darauf Lust haben. Jede Frau hat etwas Faszinierendes an sich, das man nur entsprechend betonen muss.
Jede Frau hat etwas Faszinierendes
DYNAMITE!: Welcher Auftrag war der skurrilste in deiner Laufbahn?
SAMMY: Der skurrilste Auftrag hatte nicht viel mit meinem Burlesque-Stil zu tun, denn ich sollte für eine Präsentation bei einer Modemesse ein Kleid entwickeln, komplett mit Computermäusen bestückt. Andere Aufträge fand ich bis jetzt nicht skurril. Ich finde eigentlich jede durchgeknallte Idee spannend, deren Umsetzung für mich eine Herausforderung darstellt. Allein der Gedanke, Outfits zu entwerfen, die man wieder schnell ausziehen kann, könnte für andere Designer sicherlich skurril genug erscheinen. Mein schönster Auftrag in der letzten Zeit war zwei Pfauenkostüme für die ehrenwerte Sheila Wolf und ihre Freundin Janka. Jeder, der denkt er hätte eine abgedrehte Idee, kann sich gerne bei mir melden.
Welche bekannten Kunden Sammy aus der Szene hat und was die quirlige Berlinerin sonst so treibt steht im DYNAMITE! Magazine 01/2010 (#62), ab dem 27.11. am Kiosk!
Text: Vera Müller Bilder: Spooky Sally - Cherrymuffin Studios
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