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zurück zur Übersicht | Special: Northern Soul

Northern oder Rare Soul ist das, was die zugehörige Szene als solchen bezeichnet. Hört sich komisch an, ist aber so. Der Grund dafür: Northern Soul definiert sich vor allem durch das Entdecken und Sammeln seltener Soul-Musik. Seit über 35 Jahren gibt es die Szene: Ursprünglich in Großbritannien entstanden, hatte sie schnell weltweit Anhänger – und hat sie auch noch heute...

An einem Samstagabend im März trafen sich Leute aus ganz Europa im Münchner Loft, um zum insgesamt drei Tage währenden Soulful World-Weekender dem R&B der Sechziger Jahre, dem Sound of Motown, Modern Soul und vor allem dem Northern Soul zu huldigen. DJs aus England, Frankreich, Spanien und Deutschland feiern hier – am Vorabend hatte eine bayerische Riege die frohe Botschaft verbreitet – vor einer verschworenen Gemeinde ihre neuesten Entdeckungen aus dem Bereich des Rare Soul, also fast ausschließlich Original-Singles aus den 60er und 70er Jahren, nach denen man entweder wie ein Schatzsucher forschen oder horrende Preise zahlen muss. Das Publikum besteht aus Soulfans, Mods, Scooterboys, Skinheads und ein paar Rockabillies, aber auch etwa zur Hälfte aus Leuten, die keinerlei Szene zuzuordnen sind. Fred Perry- und Ben Sherman-Hemden sowie Pullover der Marke Umbro werden vorzugsweise getragen, auf Schuhwerk, dessen Sohlen beim Tanzen leicht dahingleiten, wird Wert gelegt. Die Tanzfläche bleibt die ganze Nacht über gefüllt und die letzten Tänzer, die alle auf eine ähnliche Weise elegant-akrobatisch im Takt der Synkopen ihre Füße bewegen, verlassen erst am Sonntagmorgen ihr Terrain.

Seit mehr als 20 Jahren gibt es nun – wie in den meisten westeuropäischen Ländern – eine Northern Soul-Szene in Deutschland, die Anfänge aber gehen noch einmal dreißig Jahre in das England der späten Fünfzigerjahre zurück. Laut der Aussage des als Mod-Archäologen tätigen Gitarristen der Who und Rock-Ikone Pete Townsend nutzten damals junge jüdische Stricher des Londoner Westends ihre Zeit zwischen den Blowjobs, um auf extravagante Einkaufstouren zu gehen und sich Anzüge und Hemden nach dem Vorbild schwarzer Jazzmusiker, von R&B-Künstlern sowie französischen und italienischen Filmschauspielern maßschneidern zu lassen. Dieser Stil wurde kurze Zeit später von R&B und Modern Jazz hörenden Jugendlichen aus der Arbeiterklasse adaptiert und spätestens ab Mitte der Sechziger unter dem Titel Mod die dominierende Jugendkultur in England.

Ästhetisch befand sich die Insel damals in der Hand von Schlagerfuzzis, Teeniebobbern á la Cliff Richard, dem britischen Hansi Krauss, und Rock’n’Rollern, den Teds und Rockabillies, also zwischen einem Mainstream-Publikum, welches ähnlich einer Herde Kühe brav die für sie hergestellten und von den Medien angepriesenen Erzeugnisse der Kulturindustrie wiederkäute, und einer sehr männlich geprägten Subkultur. Die Rock’n’Roller, die – selbst im Begriff ein eigener Massenmarkt zu werden – zwar vom Aussehen her wenig mit den Mods gemein hatten und gewissermaßen in Dauerfehde mit ihnen standen, teilen sich jedoch mitunter auch musikalische Wurzeln (Siehe die von den Black Music-Journalisten Jonathan Fischer auf Trikont compilierte „Early Black Rock’n’Roll“-Reihe) . So trat zum Beispiel der Gott des Rock’n’Roll, Jerry Lee Lewis, Mitte der Sechzigerjahre in der so gut wie ausschließlich Mod-Interpreten vorbehaltenen Ready, Steady, Go!-Fernsehsendung auf.

...Die komplette History findet ihr im DYNAMITE! Magazine 4/10


Text: Reinhard Jellen
Bilder: Reinhard Jellen

19.05.2010   Link zu diesem Artikel an einen Freund senden nach Oben Kommentar schreiben
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