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zurück zur Übersicht | Nekromantix im Interview

Nekromantix haben es im vergangenen Jahr alles andere als leicht gehabt. Nachdem es für die Band um Frontmann Kim Nekroman seit dem Umzug in die USA eigentlich stets bergauf ging, schlug das Schicksal im Januar 2009 schwer zurück: Drummer Andy DeMize verstarb mit nur 25 Jahren bei einem Autounfall. DYNAMITE! hat sich vor dem Auftritt beim Satanic Stomp in Speyer mit Sänger Kim getroffen und über Vergangenes und Zukünftiges gesprochen.

Hallo Kim. Schön dich zu treffen, viel Gelegenheit gibt es dazu in Europa ja nicht mehr.

Ja, es ist gut, wieder mal hier zu sein. Wir haben jetzt vor kurzem, zum ersten Mal seit acht Jahren, wieder in Finnland gespielt. Und auf dem Satanic Stomp waren wir das letzte Mal 2008.

Und hast du manchmal Heimweh nach Dänemark?
Nicht wirklich. Ich vermisse natürlich meine Familie, aber sie kommen mich öfter in Amerika besuchen. Eigentlich ist es ja egal, wo ich wohne, weil ich sowieso ständig unterwegs bin. Aber weil wir oft in den USA touren, ist es besser für mich, auch dort zu wohnen. Und was ich natürlich überhaupt nicht vermisse, sind Regen und Schnee. Also alles in allem bin ich ziemlich gut aufgehoben in Kalifornien.

Rückblickend war es wohl auch für die Band eine gute Entscheidung nach Amerika zu gehen…
Das war definitiv die richtige Entscheidung. Zu diesem Zeitpunkt war quasi Stillstand in der Band. Wir hatten viel erreicht – immerhin waren wir schon mal für einen Grammy nominiert. Keine andere Psychobillyband hat das vorher und seitdem geschafft. Aber es ging nicht mehr richtig voran. Ich arbeitete hauptberuflich als Tätowierer und wahrscheinlich hätten wir ewig so weitermachen können. Deswegen war es gut, der Sache neuen Schwung zu geben.

Es war ja auch ein Risiko. Zu der Zeit fing die Psychobillyszene in den USA gerade erst an zu wachsen…
Ach, es war noch gar nicht richtig losgegangen. Als Patricia (Anm. d. Red.: Patricia Day, Kims Frau und Sängerin der Horrorpops) uns zum ersten Mal gehört hatte, sagte sie zu mir: „Das wird in den USA groß werden!“ Und ich meinte nur: „Nie im Leben!“

Das ist ja auch die Erfahrung, die Psychobillybands in den 80er und 90er Jahren in den USA gemacht haben. Es hat die Amerikaner einfach nicht interessiert.
Ganz genau. Für sie war es nur so ein europäisches Punk-Ding. Aber 2003 gab es dann in den USA ein großes Hot Rod Revival. Plötzlich fingen unheimlich viele Leute an, sich wie Greaser anzuziehen und die Haare zurückzukämmen. Wenn man sich dann mit ihnen unterhalten hat, stellte man fest, dass sie Hardcore, Punkrock oder Oi! hörten, aber gerne an Hot Rods schraubten. So nach und nach konnte man dann auch auf Touren – mit Tiger Army zum Beispiel – immer mehr Psychobillies sehen. Diese ganze Entwicklung kam also ursprünglich über die Mode und über die Hot Rods.

Machen wir einen harten Schnitt und sprechen wir über 2009. Es war wahrscheinlich das schwerste Jahr für die Band, denn euer Drummer Andy DeMize starb bei einem Autounfall…
Ja. Mit Andy ist nicht nur ein Drummer, sondern auch ein guter Freund gestorben – und das viel zu jung. Du gehst an einem Abend ins Bett und am nächsten Morgen wachst du auf und plötzlich ist alles anders. Normalerweise trennen sich die Wege ja wegen irgendwelcher Differenzen wie „ich brauch einen festen Job, ich kann das nicht mehr länger machen“, bla bla bla. Aber wenn du jemanden auf diese Art und Weise verlierst, dann ist das ein Schock. Außerdem musste ich zu dem Zeitpunkt auch noch nach einem neuen Gitarristen suchen. Wir haben nach Andys Tod also quasi völlig neu angefangen.

Psychobilly handelt meistens von B-Movie-Themen und soll vor allen Dingen Spaß machen. Wenn einem so etwas passiert wie der Tod des Drummers – ändert das auch die Sichtweise auf die Szene und vor allem auf die eigenen Texte?
Eigentlich nicht, denn ich schreibe meine Texte immer auf mehreren Ebenen. Das ist wie bei Horrorfilmen. Du kannst dir natürlich nur die Schockmomente und den Splatter reinziehen, aber wenn du genauer hinschaust, wirst du vielleicht auch die ein oder andere Message im Hintergrund entdecken.


Das komplette Interview findet ihr im DYNAMITE! Magazine 4/10


Text: Oliver Wagner
Bilder: Dirk 'The Pixeleye' Behlau

19.05.2010   Link zu diesem Artikel an einen Freund senden nach Oben Kommentar schreiben
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