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DYNAMITE Inhalt 06/13


 


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DYNAMITE Editorial 06/13

Vom Pomadenhengst und falschen Fuffzigern



Ja, die Welt kann schon grausam sein. Und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Zum Beispiel beim Thema Artenschutz, denn wir alle sind dafür verantwortlich, dass der Pomadenhengst mittlerweile als ausgestorben gilt. Ansonsten hätte ihn der Duden als Zentralkomitee des guten Sprachgeschmacks nicht bereits im Jahre 2000 aus seinem gelben Standardwerk gestrichen.

Zuvor hatte der Begriff jahrzehntelang einen männlichen, stark pomadisierten Vertreter des Homo sapiens bezeichnet. Zugegeben: Das Wort war negativ konnotiert – aber verdient es nicht trotzdem, reanimiert zu werden? Und zwar in einem neuen, positiven Zusammenhang? Natürlich könnte man jetzt meinen: Ist doch egal, geht doch nur um einen Begriff.

Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, die ganze lautet: Am Anfang war das Wort, denn mit Sprache bilden wir die Welt nicht nur ab, wir erschaffen sie. Was also tun, um den Pomadenhengst ins nächste Jahrtausend zu retten?Ich glaube und hoffe, dass wirkliches Interesse an einer Sache und Liebe zum Detail die Lösung ist. Und zwar nicht ein rosarotes Verliebtsein, sondern die Variante, die manchmal auch wehtut. Diese bestimmte Art verschrobener Versessenheit, die außergewöhnliche Menschen dazu bringt, Dinge so anzugehen, wie sie sie angehen. Aus der Liste der Künstler und Musiker, die in unserer neuen Ausgabe zu Wort kommen, könnte ich viele als Beispiel rauspicken. Exemplarisch sei ausgerechnet einer genannt, der offenbar kein Freund großer Worte ist – und dennoch bestimmt an großartigen Aneinanderreihungen von Buchstaben seine Freude hat, wie im Falle Pomadenhengst: Pokey LaFarge. Der US-Amerikaner, der soeben sein neues Album auf dem Label des White-Stripes-Frontmanns rausgebracht hat, macht einfach, wie es ihm in seinen pomadisierten Kopf kommt.

Das Resultat sind erstklassige Klänge zwischen Country, Bluegrass und Americana, die ihm eine stetig wachsende Fangemeinde bescheren. „Ich bin nicht ,retro‘, denn ich versuche nichts Totes wieder zum Leben zu erwecken“, meint er im Interview. „Es ist bereits hier, um uns herum, und ich bin derjenige, der es weitergibt.“Ich ziehe daraus folgenden Schluss: Wir sollten das Erbe unserer Welt des Rock’n’Rolls ehren, ohne dabei in bierselige Nostalgie zu verfallen – das wären falsch verstandene Fuffziger. Nur weil etwas neu ist, ist es nicht besser. Genauso wenig stimmen aber die Glaubenssätze vermeintlicher Gralshüter des Rock’n’Roll-Vermächtnisses, die von einer guten alten Zeit träumen, die es so nie gegeben hat. Neue Unterwäsche aus dem Hier und Jetzt ist einfach angenehmer zu tragen als das gebrauchte Fifties-Original vom Flohmarkt.

Und der Umstand, dass ich mich der bekannten Internetsuchmaschine bediente, um mehr über den ausgestorbenen Pomadenhengst zu erfahren, ist genauso in Ordnung wie die Tatsache, dass „googeln“ seit einigen Jahren im Duden steht. Eine Sache allerdings geht gar nicht: Als ich im Netz nach Bildern des Pomadenhengstes suchte, tauchte unter den Top Ten Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Bildschirm auf. Diesen falschen Fuffziger hat der gute alte Pomadenhengst bestimmt nicht verdient. Wenn ihr das genauso seht und wollt, dass der Begriff in der nächsten Rechtschreibbibel wieder auftaucht, schreibt uns. Dann reiche ich demnächst bei den Kollegen im Duden-Verlag eine Petition ein. Der Artenschutz geht uns alle an – und am Anfang war nicht das Wort, sondern die Tat.

Stand:25 September 2017 13:42:10/magazin/archiv/content-19426_40-19427_60.html Warning: chmod(): Operation not permitted in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Magazin_Bootstrap/files/templates/index_template.php on line 81